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Dienstag, 24. April 2018

Samstag, 14. November 2015 17:14 Alter: 2 Jahr/e

Vorbereiten auf die Zukunft: 300 Führungskräfte der Hilfsorganisationen diskutieren künftige Herausforderungen

Neben den Fachvorträgen nutzten die 300 Teilnehmer der Fachtagung auch die Gelegenheit zum Besuch der Fachausstellung

Die 17. Münchner Fachtagung begann mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Paris

Das ehrenamtliche Team des Tagungsbüros kümmerte sich um die Anliegen der Teilnehmer

Die ehrenamtlichen Helfer des Betreuungsdienstes des Münchner Roten Kreuzes sorgten für das leibliche Wohl der Tagungsteilnehmer. Fotos: B. Bores

300 Führungskräfte der Hilfsorganisationen aus ganz Bayern folgten heute der Einladung des Münchner Roten Kreuzes zur 17. Fachtagung "Führen von Einsatzkräften" in das Klinikum Großhadern.

 

"Neue Zeiten, andere Einsatzlagen - Worauf müssen wir uns künftig einstellen?", so lautete das Rahmenthema der Fachtagung, die ehrenamtlich organisiert wird und neben der Fortbildung auch dem Austausch der Teilnehmer dient. Die Aktualität der Überschrift wurde durch die Anschläge in Paris auf traurige Weise bestätigt, weshalb die Tagung heute mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer begann.

 

Die Welt wandelt sich und mit ihr die Herausforderungen, die der Katastrophenschutz zu bewältigen hat. Aber was könnten das für Dinge sein und in wieweit sind die Behörden und Organisationen überhaupt auf die neuen Aufgaben vorbereitet? Die Vorträge auf der Fachtagung beschäftigten sich mit dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven.

 

Prof. Alex Lechleuthner stellte die aktuellen Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen technologischen Entwicklungen, immer komplexeren und individuelleren Einsatzkonzepten, den jeweiligen Rahmenbedingungen und dem konkreten Ereignis dar. Dabei ging es auch um Erkenntnisse, die sich aus vergangenen Einsätzen und der fundierten Auswertung von Einsatzübungen gewonnen werden kann.

 

Elisabeth Ramzews von der Inneren Mission sprach über die aktuelle Situation in der Betreuung von Flüchtlingen und appellierte an die Hilfsorganisationen, sich von den Akuteinsätzen in Notunterkünften auch hin zur langfristigen Betreuung, Beratung und Begleitung von Flüchtlingen, auch durch den Betrieb von Unterkünften, zu entwickeln. Die dort geleistete Arbeit sei eine wesentliche Voraussetzung für Miteinander und Integration.

 

Markus von der Forst berichtete von den Planungen und dem Einsatz der Berufsfeuerwehr Frankfurt bei den Ausschreitungen anlsässlich der Blockupy-Proteste rund um das EZB-Gebäude in Frankfurt. Er schilderte die hohen Sicherheitsvorkehrungen, aber auch die Gefahren für die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, die sich Angriffen von Demonstranten ausgesetzt sahen.

 

Um neue Engagementformen und das Phänomen spontaner, ungebundener Helfer bei Einsätzen ging es bei Hardy Häusler vom Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes. Er berichtete von den Erkenntnissen der INKA-Sicherheitsforschung und insbesondere den Rahmenbedingungen, die ehrenamtliches Engagement verändern. Er plädierte auch dafür, im Einsatz ein Stück Kontrollverlust in Kauf zu nehmen, um erfolgreich mit Freiwilligen zusammenzuarbeiten.

 

Ein Schwerpunkt am Nachmittag war die Rückschau auf den Einsatz anlässlich des G7-Gipfels in Elmau im Sommer 2015. Bernd Zaayenga vom Bayerischen Innenministerium stellte die Planungen und die Struktur des Einsatzes vor und sprach allen beteiligten Einsatzkräften der Hilfsorganisationen den Dank für die professionelle Zusammenarbeit aus. Frank Drescher vom Malteser Hilfsdienst berichtete aus der Perspektive der Projektgruppe G7 der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsschutz über den Einsatz der Hilfsorganisationen. Er zog ein grundsätzlich positives Fazit des Einsatzes, betonte aber gewisse Defizite in der Einsatzlogistik und in der Information der Helferinnen und Helfer. Dr. Frithjof Wagner ergänzte als Leitender Notarzt des Landkreises Garmisch-Partenkirchen die Vorbereitungen von Kliniken und Rettungsdienst auf den G7-Gipfel. Aus seiner Sicht wurden die Schutzziele erreicht, allerdings mit sehr hohem Aufwand. Verbesserungspotential sah er bei den Führungsstrukturen. In der Diskussion im Nachgang zu den G7-Voträgen wurde noch einmal die Forderung nach einer rechtlichen  Gleichbehandlung aller Ehrenamtlichen im Bevölkerungsschutz deutlich. Denn für den G7-Einsatz bestand für die ehrenamtlichen Helfer der Hilfsorganisationen kein Freistellungs- und Lohnfortzahlungsanspruch gegenüber ihren Arbeitgebern.

 

Um mögliche Gefahren für Helfer beim Umgang mit hochansteckenden Patienten ging es im Vortrag von Dirk Kamm. Er leitet das Katastrophenmanagement im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes und schilderte am Beispiel des Ebola-Einsatzes des Roten Kreuzes in Westafrika. Er betonte den Stellenwert der Auswahl und Vorbereitung der Helfer und übertrug die Erkenntnisse auf einen möglichen Einsatz in Deutschland. Eine wichtige Erkenntnis war für ihn auch der Umgang mit den zurückkehrenden Helfern und ihre Stigmatisierung in der Öffentlichkeit sowie der Stellenwert der Fürsorgepflicht der Organisationen für die eingesetzten Helfer.

 

Marlene Sedlmayr vom Klinikum Schwabing sprach über den Massenanfall von Infektionspatienten und erläuterte an Beispielen die nötige Schutzausrüstung für Helfer und Pflegepersonal, die Abläufe in der Klinik und die räumlichen Anforderungen an die Behandlung einer Vielzahl von infektiösen Patienten.

 

Mit meteorologischen Aspekten beschäftigten sich die letzten beiden Vorträge der Fachtagung. Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst gab einen Überblick über extreme Wetterereignisse von Hochwasser bis Dürre und erläuterte die wissenschaftlichen Grundlagen und statistischen Erkenntnisse zu diesen Phänomenen. Er erläuterte auch die fachlichen Hintergründe von Tornados. Damit leitete er über zum Vortrag über den Tornadoeinsatz am 13. Mai 2015 in Affing, den Thomas Winter und Ben Bockemühl aus der Sicht von Sanitäts- und Örtlicher Einsatzleitung schilderten. Sie zeigten anschaulich die Schäden, die der Tornado an Gebäuden verursachte. Der Einsatz erforderte eine enge Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Während die Feuerwehr sich um zerstörte Infrastruktur und Gebäudeschäden kümmerte, sorgten die Schnelleinsatzgruppen für die Betreuung der Unverletzten, erkundeten die Lage und waren Ansprechpartner für die Bevölkerung. Beide schilderten zudem die Entwicklung des Einsatzes über mehrere Tage. Zudem gingen sie auf das hohe Medieninteresse und die Koordination vieler spontaner, ungebundener Helfer ein.

 

Zur Finanzierung der Veranstaltung trugen auch diverse Fachaussteller bei, die die Pausen nutzten, um den Teilnehmern ihre Produkte und Lösungen vorzustellen. Ehrenamtliche Helfer des  Betreuungsdienstes sorgten zudem für das leibliche Wohl der Teilnehmer und Helfer.

 

Alle Informationen zur Fachtagung "Führen von Einsatzkräften" finden Sie hier.