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Freitag, 22. Juni 2018

Donnerstag, 30. August 2012 18:10 Alter: 6 Jahr/e

Bombenfund in Schwabing - Bilanz des Münchner Roten Kreuzes

Beim Einsatzleitwagen halten sich auch die Rettungswagen bereit

Kurz nach der Sprengung der Bombe erkunden Organisatorischer Leiter und Leitender Notarzt die Einsatzstelle

Im Einsatzleitwagen geht es hoch her: Er ist die Kommunikationszentrale

Die Schnelleinsatzgruppe Transport unterstützt den Rettungsdienst und kümmert sich um Betroffene, die nicht gehfähig sind. Fotos (4): E. Westendorf

Der Bombenfund in Schwabing, der am Montag und Dienstag ganz München in Atem hielt, stellte für die ehrenamtlichen Helfer des Münchner Roten Kreuzes eine echte Herausforderung dar. Zugleich stellte er auch die Schlagkraft und die Vielfalt des Roten Kreuzes unter Beweis.

 

Alles begann am Montag Abend als Routineeinsatz: Mittags war in der Feilitzschstraße eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden, die in den Abendstunden entschärft werden sollte. Dementsprechend alarmierte die Integrierte Leitstelle den Einsatzführungsdienst und Fahrzeuge des Rettungsdienstes. Außerdem alarmierte sie die Schnelleinsatzgruppen Transport und Betreuung des Münchner Roten Kreuzes.

 

Der Einsatzführungsdienst baute den Einsatzleitwagen auf und stellte so die Arbeitsfähigkeit der Sanitätseinsatzleitung sicher.

Die Schnelleinsatzgruppe Betreuung richtete im Sophie-Scholl-Gymnasium eine Betreuungsstelle für Unverletzte ein und die Schnelleinsatzgruppe Transport unterstützte den Rettungsdienst dabei, nicht gehfähige Betroffene aus dem Sicherheitsbereich an sichere Orte zu bringen.

 

Diese Situation gab es bereits mehrfach in diesem Jahr. Allerdings konnten die Bomben bislang stets entschärft werden. Umso größer wurde die Anspannung, als am späten Montag Abend feststand, dass die Bombe vorerst nicht entschärft werden kann.

 

"Damit hatte niemand gerechnet", sagt Jürgen Terstappen, an diesem Abend Organisatorischer Leiter. "Aber genau auf solche Einsätze sind wir vorbereitet und die Sicherheit geht in jedem Fall vor."

 

Das führte zu einem sprunghaften Anstieg der Betroffenenzahlen in den Notunterkünften, weil viele Anwohner vermutlich abgewartet hatten, um direkt in ihre Wohnungen zurückzukehren. Zu Fuß, mit MVV-Bussen und mit dem Großraumrettungswagen der Feuerwehr kamen sie in die Betreuungsstellen.

 

Also verbrachten etwa 600 der 2.500 Betroffenen die erste Nacht in den drei eingerichteten Notunterkünften, davon allein 230 in der Betreuungsstelle des Münchner Roten Kreuzes. Der Fachdienst Technik und Sicherheit hatte eigens Betten und Matratzen aus seinen Lagern angeliefert und gemeinsam mit den Helfern der Schnelleinsatzgruppe Betreuung die Klassenzimmer damit ausgestattet. Auch Wasser und Tee sowie Hygieneartikel und Decken standen für die Betroffenen bereit.

 

"Die Räume des Sophie-Scholl-Gymnasiums waren ideal und der Hausmeister sehr zuvorkommend", freut sich Dietmar Schubert, verantwortlich für die Betreuungsstelle des Münchner Roten Kreuzes.

 

Am Dienstag gingen tagsüber viele der Betroffenen ihrer Arbeit nach oder kamen bei Bekannten und Verwandten unter. Wie die Einsatzkräfte warteten sie darauf, dass die Bombe endlich entschärft würde. Die Herausforderung für das Münchner Rote Kreuz und die anderen Einsatzkräfte bestand nun darin, die ehrenamtlichen Helfer durch frische Kollegen abzulösen, Verpflegung für Betroffene und Helfer zu organisieren und aktuelle Informationen weiterzugeben.

Zur Ablösung kamen auch ehrenamtliche Helfer aus den Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Rosenheim zum Einsatz.

 

Als dann die geplante Entschärfung am Dienstag gegen 19 Uhr fehlschlug, lagen die Nerven vieler Betroffener blank. Auch aus diesem Grund waren speziell geschulte ehrenamtliche Helfer der Psychosozialen Unterstützung in den Unterkünften als Ansprechpartner anwesend.

Es führte zu einer gewissen Erleichterung, als die Bombe um kurz vor 22 Uhr kontrolliert gesprengt wurde. Allerdings waren viele Betroffene verunsichert, welche Schäden dies wohl verursachen würde.

 

Das war auch der Grund, weshalb die Betroffenen nicht sofort nach Hause zurückkehren durften: Die Sprengung beschädigte viele Gebäude in unmittelbarer Nähe der Explosion, zudem führte brennendes Stroh zu einigen Dachstuhlbränden, die die Feuerwehr aber schnell unter Kontrolle hatte.

 

Gegen 2 Uhr morgens konnten die letzten Betroffenen die Betreuungsstelle des Münchner Roten Kreuzes verlassen und zu Fuß, mit MVV-Bussen oder Behindertentransportfahrzeugen entweder in ihre Wohnung oder zu Verwandten bzw. in Hotels fahren. Denn leider sind nicht alle Wohnungen nach der Explosion bewohnbar.

 

Am Mittwoch Abend brachten die ehrenamtlichen Helfer das Material zurück in die Lager und übergaben die Schule ohne Schäden an den Hausmeister.

 

"Was jetzt folgt, ist der Ersatz des verbrauchten oder defekten Materials und natürlich die Aufarbeitung und Nachbesprechung des Einsatzes", sagt Jürgen Terstappen. "Denn wir können aus dem Einsatz vieles lernen und sicher manche Vorgehensweisen optimieren, diese Chance sollten wir nutzen."

 

Zusätzlich zu den erwähnten Einheiten war das Münchner Rote Kreuz mit mehreren Rettungswagen, der Motorradgruppe und mit Helfern der Bergwacht im Einsatz.